Von Andreas Schmitt
Die Sonne steht jedes Jahr etwa vom 23. August bis 23. September im Zeichen Jungfrau. Wer in diesem Zeitabschnitt geboren ist, kennt meist sein „Sternzeichen“ Jungfrau, doch was sagt dies nun aus? Auf alle Fälle schon einmal soviel: Im Tierkreiszeichen Jungfrau befinden wir uns an dem Vernunfts-Ort schlechthin!

Die pure Jungfrau-Qualität wird man an einem Menschen nie in Reinform erleben. Niemand hat alle Horoskopfaktoren wie Sonne, Mond, Planeten plus Aszendent, MC, Mondknoten oder gar noch den Glückspunkt in der Jungfrau. Stark Jungfrau-Geprägte laufen uns jedoch täglich über den Weg. Man braucht nur - mit ein wenig Vorwissen - die Augen und vor allem das Herz offen halten, dann erkennt man sie sofort. In Sachen Vorwissen, hier nun ein kleiner Ausflug in die Welt der Jungfrauen ...
Element: Erde
Die Jungfrau gehört - zusammen mit den Tierkreiszeichen Steinbock und Stier - zu den Erdzeichen. Entsprechend reagieren Jungfrauen mehr auf sichtbare, praktische und konkrete Aufgaben, ihre deutlich pragmatische Nüchternheit spürt man gut. Außeneindrücke und -reize werden gerne in konkrete Handlungen umgesetzt, doch zuvor auf ihren „Realitätsgehalt“ überprüft – und auch darauf, was es ihnen selbst bringt. Die Erdzeichen leben dank ihrer pragmatischen wie eher nüchternen Ader vorwiegend in der Gegenwart und sorgen für etwaige Ungewissheiten in der Zukunft gerne vor. Überhaupt kann die Sorge um die Bewahrung des Bekannten, Irdischen und Vertrauten sowie der materiellen Absicherung einen großen Stellenwert in ihrem Leben einnehmen. Daraus folgt eine tendenzielle Vorsicht gegenüber größeren Veränderungen und Neuerungen oder gar Visionen. Abgehobene Pläne und Theorien finden beim Erd-Element keinen schnellen Zugang, umso eher vielleicht ein Sparbuch und vermeintlich sichere Kapitalanlagen. Da die Erd-Elemente eher umsichtig agieren, wirken sie häufig zuverlässiger und präziser als alle anderen Elemente. Eine fühlbare innere Ruhe und Beständigkeit macht sie zu geschätzten Ankern, die Seriosität und Solidität ausstrahlen.
Alle Erd-Elemente interessiert besonders eines: Auf die Realität einwirken, ein konkretes Handeln, mit realistischen, greifbaren wie längerfristigen Zielen. Der innere Horizont erstreckt sich daher meist entlang einer konkreten Realität, ausreichender Besitz stärkt wesentlich den Selbstwert erd-betonter Menschen, Geiz oder Angst vor Verarmung sind hier häufiger ein Thema. Sie können übrigens auch recht stoisch sein und einmal gewonnene und festgelegte Positionen und Ansichten unbeirrbar verteidigen. Geraten sie stark in die Defensive, blocken sie ab oder werden zu Nörglern, bis hin zu melancholischen Pessimisten.
Das meist gleichmäßige Gemütsleben sowie das zurückhaltende Temperament können bei sehr starker Erdbetonung im Geburtshoroskop zu mehr oder weniger schwerblütiger Kontakthemmung führen. Wegen ihrer Introvertiertheit im Seelischen verstehen sich die Erd-Elemente oft am besten mit den Wasser-Zeichen. Beide eint die langsamere Reaktion auf Ereignisse und Entwicklungen aller Art. Übereinstimmung gibt es auch dort, wo beide Elemente gerne das Vertraute, Nahe und Bekannte bevorzugen - im kleineren Kreis.
Die Erd-Elemente bevorzugen den Umgang mit konkreten, irdischen Materialien und Projekten. Ob im Garten, als Handwerker, Töpfer, Maurermeister, Bildhauer, Ingenieur, Physiker oder Häuslesbauer, etc. Und selbst in den geistigen Betätigungen oder theoretischen Überlegungen spielt die konkrete, sichtbare oder direkt erfahrbare Realität, bzw. messbare Materie, oft genug eine zentrale Rolle.
Dynamik: veränderlich
Jungfrau-geprägte sind meist mit einer merkbaren Anpassungsfähigkeit versehen, die man hinter ihren manchmal recht kritischen Äußerungen oder der eher kritischen Fassade, so nicht vermutet. Selten stellen sie dauerhaft ihre eigenen Standpunkte oder persönlichen Wünsche in den Mittelpunkt. Vielmehr setzen sie - mit mehr oder weniger kritischer, innerer Distanz - die notwendigen Aufgaben, Arbeiten und Dienste um. Der sogenannte gesunde Menschenverstand zeichnet gerade die Jungfrau aus und am Ende sorgt die praktische wie pragmatische Anpassungsfähigkeit dafür, dass sie sich weder groß in Dramen verstricken und sich dadurch gefährden oder den Kopf zu weit aus dem Fenster halten. So gesehen, können gerade Jungfrau-betonte flexibel mit veränderlichen oder gar unberechenbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen umgehen. Für sich selbst bevorzugen sie aber dennoch berechenbare, vernünftige Rahmen- und Lebensbedingungen und suchen oder sehnen sich gar danach. Jedenfalls steht die variable oder veränderliche Dynamik der Jungfrau weniger dafür, ganz eigene, individuelle Wege zu gehen oder neue, bahnbrechende Entwicklungen anzustoßen. Im Vordergrund steht hier doch mehr die Moderation und Bewältigung der anstehenden konkreten Aufgaben und notwendigen Arbeiten.
Emotionales Erleben: sachlich-veränderlich
Die Jungfrau orientiert sich emotional gerne an den fachlichen, messbaren und sachlichen Realitäten, mit einem Faible fürs Detail. Wo unmittelbare, emotionale und persönliche Stellungnahmen erwartet werden, zieht es die Jungfrau automatisch erst einmal zur Sachebene eines Konfliktes oder eines freudigen Ereignisses. Persönliche Auseinandersetzungen wegen subjektiver Gefühle erlebt man bei ihr weniger und damit umgekehrt auch weniger gezeigte Hochgefühle. Die "Jungfrau-Sicherung" sorgt sozusagen für eine stetige, mittlere Gemütslage. Das persönliche Engagement wird umso größer, je mehr Fach- und Sachkompetenz oder Genauigkeit gefragt sind, starre emotionale Blockaden oder tiefe, persönliche Abneigungen sind ihr eher fremd. Wo andere schon längst mit einem größeren, emotionalen Auftritt „aufgeräumt“ hätten, wickelt die Jungfrau problematische Beziehungen und Entwicklungen eher gründlich ab. Das Augenmerk auf alltagstaugliche und machbare Lösungen gerichtet, bzw. auf die praktischen Seiten einer Sache, fast egal welcher.
So gesehen, sind stark Jungfrau-geprägte Menschen kaum aus der Fassung zu bringen. Weder durch Überschwang, noch durch Wut oder Ärger - am ehesten vielleicht noch durch Unsachlichkeit oder fachliche Inkompetenz.
Ein wichtiger Baustein im emotionalen Leben ist die Normalität eines geregelten Alltags, so wie Jungfrau-betonte überhaupt stärker wahrnehmen, was noch - unter den jeweiligen Umständen - als "normal" oder vernünftig gelten kann. Diese ändern sich ja gelegentlich, worin sich die Jungfrau durchaus einrichten kann, wenn es nicht zu abrupt und willkürlich, sondern mit Vernunft geschieht.
Allgemein gilt wohl, dass sich die Jungfrau besonders bei exakten Berechnungen und Planungen wohl fühlt; es gibt wohl kaum ein sachliches Detail im Alltag, bei der Arbeit oder bei der eigenen Lebensgestaltung, das zu unwichtig sein dürfte. So gerüstet, kann sie sich gut in größere Zusammenhänge einfügen – über den eigenen, unmittelbar erlebten Horizont hinaus – und exakte Zuarbeit für andere leisten, im Rahmen klar definierter Aufgaben. Daraus folgen auch Arbeitsteilung und Spezialisierung auf kleinere Gebiete, gekoppelt mit einem realitätsnahen Gespür für effiziente und wirtschaftliche Abläufe. Ob am Arbeitsplatz oder Zuhause, ob bei sonstigen Tätigkeiten oder bei der Alltagsgestaltung ganz allgemein. Die emotionale Selbstkontrolle der Jungfrau, garniert das, was sie tut dann meist auch mit großer Gewissenhaftigkeit und einer ausgeprägten Arbeitsmoral.
Jungfrau-Orte
Kühlschränke, Kühlräume, Molkereien, Reinräume (bei der Produktion von Mikroelektronik etc.), Vorratskammern, Getreidelager, Getreidefelder, kleine Kammern, Arbeitstische, Schränke, Heimbüro/Arbeitszimmer, Krankenzimmer, Untersuchungszimmer, Arbeitsräume, zweckmäßige Plätze, Reformhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Apotheken, kommunale Verwaltungen, Sozialeinrichtungen, Arbeitsagenturen, Psychologen- und Heilpraxen, Physiotherapie- und Massage-Praxen, Studierzimmer, Ingenieur-Büros, Präzisions-Werkstätten, Bank- und Versicherungsräume.
Das geistige Potential...
...prägt sich bei der Jungfrau am ehesten in fachlicher, sachlicher und sozialer (Alltags-)Kompetenz aus. Dank der detaillierten Realitätsnähe, ergibt sich oft die sinnvolle Fähigkeit zum kritischen Blick auf die Verhältnisse in Familie und am Arbeitsplatz, in Beruf und der unmittelbar umgebenden Gesellschaft – und, natürlich auch auf sich selbst. Die kritische wie realistische Bestandsaufnahme ist zugleich die Basis für eine situationsgerechte, pragmatische bzw. intelligente Anpassung. Die Anpassung zu hoher Ziele an die Alltagsrealität gehört dazu, genauso wie die eigene, realistische Anpassung an machbare Ziele und Aufgaben. Jungfrau-betonte können sich praktisch selbstständig immer wieder neu „nachjustieren“, sie regulieren und "reparieren" sich – im besten Falle - sozusagen selbst. Andere natürlich auch. Eine ganz wichtige Fähigkeit bei ausgeprägter Jungfrau-Besetzung - vor allem mit persönlichen Planeten - für jeder Art „organisierter Zusammenarbeit“, ob in Firmen, Industriebetrieben, im eigenen Körper, in Verwaltungen oder den sozialen und Gesundheitsberufen.
Die Fort- und Weiterbildung im eigenen Fachbereich liegt somit nahe, ebenso eine ausgeprägte Kontrollneigung, sei es bei den eigenen oder bei fremden Finanzen; sei es bei der Gesundheit oder bei technischen Planungen und Abläufen; bei der Ernährung oder bei der sozialen Kontrolle von Leuten, die eben (noch) nicht in den herkömmlichen, sozialen Alltag passen. Eine eher vorsichtige Skepsis gegenüber bloßen Theorien und sehr abgehobenen Philosophien zeichnet vermutlich nicht nur die sehr stark Jungfrau-betonten aus. Die latent kritische oder vorsichtige Haltung bezieht sich erst einmal auf alles, was jenseits einer realistischen Vernunft liegt, hinter dem exakt Mess- und Berechenbaren sowie hinter konkreter und üblicher Erfahrung.
Salopp formuliert, übernimmt damit die Jungfrau z. B. die irdischen „Reparaturaufträge“, im menschlichen Zusammenleben via Erziehung, Verhaltensanweisungen, wie „das tut man nicht, das gehört sich nicht“ und Verhaltenstherapie, bei der Gesundheit, in der Umwelt oder in der (Finanz-)Wirtschaft - bis hin zur handwerklichen oder technischen Instandhaltung und Pflege. Diese Dienstbarkeit ist im übertragenen Sinne der kosmische wie geistige Auftrag fürs irdische, gewöhnliche Leben. Ausgerechnet und genau damit kann zwischen irdischer, diesseitiger Jungfrau-Welt und der nicht greifbaren, himmlischen Welt der Fische, eine fruchtbare Brücke geschlagen werden. Etliche religiöse Persönlichkeiten versahen ihre teils selbstlose, irdische Fürsorge an Kranken, Gebrechlichen und Ausgestoßenen genau in diesem Spannungsfeld, sozusagen im höheren Auftrag der barmherzigen Erlöserfigur des Christus (Fische-Analogie). So auch Mutter Teresa, als klassische Vertreterin einer enthaltsamen wie vielfach selbstlosen, aber auch unbeirrbaren Jungfrau-Persönlichkeit. Aus dem geistigen wird auf diese Weise überraschend das geistliche Potenzial der Jungfrau, die irdische Unvollkommenheit annehmend.
Freundschaft - Partnerschaft
Eine wichtige Grundlage für haltbare Freundschaften ist die Anerkennung der beruflichen Kompetenz sowie Fähigkeiten bei der Alltagsorganisation durch ein Gegenüber. Denn nicht selten drehen sich Gespräche - natürlich - um die geleistete und anstehende Arbeit. Dies fördert die Anerkennung und entsprechend das Wohlbefinden wie Einverständnis. Nur naive Bewunderung, ohne kompetente Würdigung, nützt dabei wenig, kritisch-wohlwollende Reflexion durch den Freund, die Freundin, passt eher. Die Achtung, sowohl in Freundschaften wie Partnerschaften, steigt mit der beruflichen und fachlichen Qualifizierung auf beiden Seiten. Überhaupt werden Beziehungen jeder Art eher langsam und vorsichtig wachsen können, von Vorsicht, teilweise sogar anfänglicher körperlicher und seelischer Spröde, begleitet. Diese kann allmählich und mit den Jahren einer beständigen, fürsorglichen Haltung weichen. Bei Venus und/oder Mars in der Jungfrau kann die tiefere, erotische Hingabe und Öffnung verzögert geschehen, eine Haltung - ähnlich dem sprichwörtlichen „fleißigen Lieschen“ oder reichlich gewissenhafter Arbeit, Fürsorge und Tätigkeit (= Erotik-Triggern bei Jungfrau-Prägung) - beschleunigt die Zuneigung und Öffnung. Eine zu offenkundige, sinnliche Präsenz und Neigung liegt seltener auf der Wellenlänge der Jungfrau. Mehr schon Zurückhaltung oder Bescheidenheit, auch im Finanziellen.
Ereignisse und Situationen
Ereignisse in den Bereichen Arbeit und Beruf, Krankheit und (seelische) Gesundheit. Berufliche Qualifizierung und Prüfungen, genaue Kontrollen und Überprüfungen; Bewerbungsgespräche, medizinische Untersuchungen.
Erlebnis- und Erfahrungsebenen
Von der akribischen Apothekenhelferin, bis hin zum gewissenhaften Finanzcontroller in großen Firmen, die Jungfrau-Qualität ist in unserer detaillierten und vielschichtigen, modernen Arbeits- und Lebenswelt unverzichtbar. Allerdings hat diese sich beträchtlich durch Großrechner und PCs verändert, - die neuen Hochpräzisions-Werkzeuge und ausdauerndsten „Mitarbeiter“ - bestehen vielfach aus elektronischen Schaltkreisen. Diese kommen meist in Metallgehäusen mit unauffälligen Farben - typisch Jungfrau - daher und leisten - ebenfalls typisch Jungfrau - Tag und Nacht pflegeleicht, serielle Fleiß- und Präzisionsarbeit.
Das Computer-Zeitalter eignet sich daher für einen kleinen Abgesang auf die bis vor wenigen Jahren und Jahrzehnten weitverbreitete und notwendigere Jungfrau-Qualität. Wo vor Jahrzehnten in Personalbüros verschiedenste Mitarbeiter gewissenhaft wie stoisch Personalakten gepflegt und Lohnberechnungen durchgeführt haben, sitzen heute vergleichsweise wenige Leute am Rechner, der die langweilige Hauptarbeit übernimmt. Präzisionshandarbeit wird inzwischen vielfach von Robotern, Automaten oder CNC-Werkzeugmaschinen übernommen. Wer früher penibel wie unermüdlich noch selbst die Geburtshoroskope berechnete, kennt die Veränderung selbst in der Astrologie. Aufgrund des Rechenaufwands ging man vielleicht damals auch effizienter vor oder beschränkte sich zunächst auf die wichtigsten und gebräuchlichsten Horoskopelemente.
Die Jungfrau-Welt hat sich deutlich gelockert und verändert. Wir finden aber heute immer noch den gewissenhaften oder unauffälligen, vorsichtigen Kommunalbeamten und die pingelige Mitarbeiterin im Personalbüro. Sozialarbeiter und -pädagogen - eine Branche, die eher gewachsen ist - wirken heutzutage vielleicht weniger nüchtern-kritisch oder dröge, wie man früher glaubte - und die ehemals grauen Mäuse im Apothekenhintergrund laufen heute immer öfter in farbiger Arbeitskleidung herum. Selbst in Arbeitsagenturen wich die behördlich-graue Ernsthaftigkeit einer größeren Lockerheit, die den Einzelnen aber auch schnörkelloser aus staatlicher-behördlicher Fürsorge entlässt.
Dennoch, Vorschriften, Anforderungen an Berufswissen, Regelungen und Verwaltungserlasse haben insgesamt noch weiter zugenommen, wenn auch die klassischen Extrem-Jungfrau-Typen scheinbar weniger werden. Jene, die täglich und immer abends um 22 Uhr schlafen gehen, akkurat und sorgfältig ihre Ausgaben und ihr Befinden kontrollieren und praktisch nie spontan jemand um den Hals fallen. Auch die, die ihre Wohnung blitzblank halten, jeden Winkel auswischen, sich rundum absichern und körperliche Erotik sehr haushälterisch und nur nach eingehender Prüfung bzw. Reinigung zulassen. Die moderne Ausprägung zeigt sich verstärkt in einem ausgeprägten Umweltbewusstsein und einer Bewegung hin zu Reformkost sowie vor allem biologischem Einkauf, inklusive wachsender Skepsis gegenüber der Schulmedizin.
Fast unvermeidlich entstanden derweil zahlreiche neue Krankheitsbilder - schon allein, weil der sogenannte „gewöhnliche Normalzustand“ immer differenzierter untersucht werden kann. Für Sorgfalt im Hinblick auf die Gesundheit bleibt vermehrt Zeit und Bewusstsein in "modern times". Selbsthilfegruppen zu allen nur denkbaren Krankheiten - oder anders ausgedrückt: Abweichungen von einem mehr errechneten, als dauerhaft erlebten "Normalzustand" - illustrieren die moderne Jungfrau-Qualität. Und, ihre Anstrengungen um eine gesunde und reine Um- und Lebenswelt - mehr oder weniger verbunden mit gelungener Realitätsnähe und einem anpassungsfähigen Pragmatismus. Überhaupt, sind viele - „modern times“ - mit dem lebenslangen Lernen, auch und gerade im Beruf oder am Arbeitsplatz beschäftigt, Fortbildung und Vertiefung beruflichen Wissens gilt inzwischen als zentraler Schlüssel, auch für zukünftigen Erfolg in einer spürbar veränderlichen Arbeits- und Lebenswelt.
Und wo früher manche religiöse Jungfrau-Person unbezahlte, freiwillige "Dienstaufträge" in sozialen oder caritativen Einrichtungen ausführte, sind es heute eher engagierte und kritische wie scharfsinnige Helfer, die zeitweise in praktischen Einsätzen freiwillig an sozialen oder ökologischen Projekten wie Brennpunkten teilnehmen.
Dominiert die analytisch-berechnende wie kühl-penible Ader der Jungfrau zu sehr, und dies gepaart mit geringem Einfühlungsvermögen und einem Zuviel an Perfektion, entsteht im Extremfall der Drang, sich von der "unreinen", gewöhnlichen Umgebung und Realität zu trennen. Waschzwänge oder krankhaftes Misstrauen können auftreten - im Extremfall aber auch Taten wie jene der Attentäter auf das World Trade Center im September 2001. Unter ihnen Mohammed Atta, ein führender Kopf und außerordentlich stark Jungfrau-geprägt.
Verdrängte Jungfrau-Qualitäten
In der Verdrängung oder als minderwertiger Anteil (C.G.Jung) gelebt (1), erleben vor allem Angehörige sogenannter sozialer Randgruppen oder alternativer Lebensformen die anonyme Jungfrau-Qualität als staatlich-gesellschaftliche Bevormundung und "Spießer-Welt". Geregelte Arbeit, geregeltes Einkommen, Alltagsroutine, Vorsorge, Anpassung, irdische Dienstbarkeit - keine Ziele für Bewohner der "Randwelt", die sich herkömmlichen Regeln der alltäglichen, gewöhnlichen Lebenswelt gerne entziehen. Schon die Idee des effizienten Handelns und ökonomischen Denkens erregt Ablehnung. Wer über Jahre hinweg sein Randgruppen-Dasein pflegt - im Widerstand vor allem gegen Spießertum, Arbeitswelt oder Kommune und Staat - und dennoch teilweise von sozialstaatlicher Unterstützung alimentiert wird und/oder Sozialprogramme mehr oder weniger mitnimmt, - projiziert möglicherweise konstant den eigenen Jungfrau-Anteil.
Besonders religiöse Gläubige können in der Projektion oder Verdrängung, als minderwertiger Anteil, mit der alltäglich-irdischen Verfassung der Jungfrau-Welt Probleme haben. Dasselbe gilt für die weltlich-irdischen Zielen und Handlungen sowie selbst erworbenen Fähigkeiten, der diesseitigen Orientierung auf die bestehende Realität. Dem setzen sie gerne ein absolutes Vertrauen auf die wunderbare, himmlische Hilfe und Erfüllung durch Gott entgegen. Auf die Wunscherfüllung durch den Kosmos bauen ansonsten auch manche esoterisch Gläubige, die gleichfalls auf zu irdisch-kritische Realtitätsausrichtung, die Alltagswelt oder gar auf wirklichkeitsnahe Skepsis mit Ablehnung reagieren.
In der persönlichen Verdrängung oder Projektion kann ein(e) überkritische(r) Partner(in) einem das Leben schwer machen, die/der jeden Schritt kommentiert oder auf Nützlichkeit und Nutzlosigkeit hin kontrolliert. Mögliche Mängel und Ungenauigkeiten werden umgehend reklamiert oder eventuelle mangelnde, berufliche Kompetenz des Partners ständig betont. Intuitive Entscheidungen des Partners werden darüber hinaus gerne in Frage gestellt. Vermutlich ist bei dieser Art Projektion dann der 3. Quadrant des Geburtshoroskopes betroffen.
Mit der 27-Jährigen, kürzlich verstorbenen Soul-Sängerin Amy Winehouse, wird eine eher seltene, aber tragische Kategorie von Jungfrau-Betonung sichtbar. Winehouse - ihr Familienname erinnert schon an alkoholische Getränke - mit Sonne und Merkur in der Jungfrau, lebte offenkundig den Gegenpol zur eigenen Jungfrau-Konstellation und ging mit Drogen und Alkohol an einer der bekannten Fische-Qualitäten zugrunde.
Körper und Materialien
Körperbereiche: Verdauungstrakt
Materialien: Getreide, Trockenfrüchte, Erbsen, Präzisionswerkzeuge, Berufskleidung, Arztinstrumente, Sortiermaschinen, Rechenmaschinen, Reinigungsutensilien.
Schlagworte
akkurat, penibel, bescheiden, pedantisch, gewissenhaft, gründlich, behutsam, sparsam, enthaltsam, gesund, reinlich, sauber, exakt, präzise, geschickt, ordentlich, realistisch, wirklichkeitsnah, ökonomisch, rationell, haushälterisch, dienstbar, anpassungsfähig, angepasst, fleißig, moralisch, vernünftig, klug, kritisch, scharfsinnig, skeptisch, misstrauisch, sorgenvoll, fürsorglich, sorgsam, zuverlässig, ausdauernd, vorsichtig, kleinlich, kleinteilig, detailversessen, Angestelltenmentalität, arbeitsam, praktisch, objektiv, kühl, Nützlichkeitsdenken, nützlich, selbsterhaltend, selbstbewahrend, spröde, furchtsam, Sicherheitsfanatiker.
Zuletzt....
findet man mit der 1997 verstorbenen Mutter Teresa sowie mit Mohammed Atta - ein führender Kopf des Attentats auf das World Trade Center am 11.9.2001 – zwei krass unterschiedliche Jungfrau-Typen. Sah Mutter Teresa – ohne sie hier idealisieren zu wollen - den Dienst an den Sterbenden in den Slums von Kalkutta als Gottes-Dienst und (An-)Teilnahme an den Nöten dieser Welt, - unbeirrbar wie bescheiden und enthaltsam durchgehalten, - so strebte der andere eine „gereinigte Welt“ an sowie den sofortigen Eingang ins Paradies (Fische). Ganz jenseits der alltäglichen Realität - gründlich geplant, sehr effizient und in seinen Augen ebenfalls im Dienste eines Gottes.
Doch wo sind die Unterschiede in den Horoskopen der beiden? Gesicherte Geburtszeiten sind nicht bekannt, anhand der Tageskonstellationen erkennt man aber schnell einige, bezeichnende Unterschiede:
Mutter Teresa, geboren 26.8.1910 in Skopje (auf 12h berechnet)

Mohammed Atta, geboren 1.9.1968 in Kafr asch-Schaich (auf 12h berechnet)
Bei Mutter Teresa finden wir Sonne, Merkur und Mars in der Jungfrau, bei Atta die Sonne, Venus und Jupiter – keine Planeten, die auf irgendwelche Probleme mit Arbeit, Alltag und sozialer Anpassung deuten, sollte man meinen.
Doch stehen Venus und Jupiter in der Jungfrau schwach – im eigentlich wohlhabenden (Venus) Ausland (Jupiter) suchte Atta Halt in einem puritanischen (Jungfrau-Venus) und kleinlich-perfektionistischen wie moralisierenden Islam-Verständnis (Jungfrau-Jupiter), dies eine Deutungsmöglichkeit. Attas Saturn steht in Widder ebenfalls schwach. Er kann sich aggressiv gehemmt oder blockiert fühlen, dieser Saturn kann aber auch zum Sündenbock-Saturn mutieren, die bestehende Welt und Weltordnung (Saturn) könnte zum Widerstand erzeugenden Dauerärgernis (Widder-Saturn) geraten.
Schließlich finden wir bei Mohammed Atta auch noch Pluto und Uranus in der Jungfrau. Beides Planeten, die pragmatische Anpassung und alltägliche Realitätsnähe meist nicht einfach so mitmachen wollen. Ein Jungfrau-Pluto kann eben auch als tiefgründige wie verengte Schwarz-Weiß-Analyse auftreten, als Fundamentalkritik und dogmatischer Tunnelblick, auf den gewöhnlichen, gemischten Alltag - mit dem latenten Auftrag zu radikaler Wandlung. Uranus bevorzugt dagegen den Blick aus großer Höhe, der den menschlichen Alltag und die menschlich-irdische Welt reformieren möchte, der auf jeden Fall weiterentwickeln oder notfalls revolutionieren und erschüttern will. Herkömmliche, menschliche Empfindungen werden oft durch eine kristallklare Weltperspektive ersetzt, „übermenschliche“ Ideale und kühl-intellektuelle Theorien enden manchmal in kalter Empfindungslosigkeit gegenüber den normalen Mitmenschen.
Damit finden sich bei Atta astrologische Zutaten, die – je nach Bewusstsein und persönlichem, kulturellen Hintergrund – in die bekannte, akribische Planung und Tat münden konnten.
Anmerkungen und Quellen:
1) Bredthauer, Die vier Grundtypen der Persönlichkeit im Horoskop, Tübingen 2009
Beiträge über Jungfrau-Geborene auf Sternwelten:
Louis IVX (TKZ Löwe), Jassir Arafat, Ephraim Kishon, Michael Jackson (Bad news are good news). Sonne in Jungfrau: Betriebssystem LINUX
Johannes Vehlow, Sandor Belcsak, Madonna
Sternwelten-AutorInnen mit Sonne in Jungfrau:
Friedel Roggenbuck
Dies könnte Sie auch noch interessieren:
Pluto in der Jungfrau
Jungfrau – Backen, die Ernte verwandeln
TKZ Löwe, TKZ Krebs, TKZ Zwillinge
_JNEWS_PLEASE_WAIT